Gerade bei schweren Entscheidungen ist es verlockend, die Entscheidung möglichst lange hinauszuzögern. Doch ist das wirklich ratsam? Und warum fallen uns eigentlich manche Entscheidungen schwerer als andere?

Von der Entscheidungslähmung zur Entscheidungsfindung

In meinem Blog Post über Minimalismus und Entscheidungen hatte ich bereits ein wenig über den Schwierigkeitsgrad von Entscheidungen geplaudert.

Warum manche Entscheidungen so schwer fallen

Hier zur Erinnerung meine beiden Fragen zur Einordnung:

  • Welche Konsequenzen hat die Entscheidung, wenn sie (nicht) getroffen wird?
  • Wie einfach kann die Entscheidung revidiert bzw. angepasst werden?

Je schwerwiegender wir die potentiellen Konsequenzen einer Entscheidung einstufen und je unflexibler wir die Veränderbarkeit von Entscheidungen empfinden, desto schwerer fällt es meiner Erfahrung nach, eine Entscheidung zu treffen.

Einige ganz plakative Beispiele: Ein T-Shirt kann ich leichter umtauschen als ein Auto, aus einer Mietswohnung leichter ausziehen als aus einer gekauften Immobilie und einen zeitlich begrenzten Aushilfsjob leichter schmeißen als ein fast abgeschlossenes Studium.

Keine Entscheidung zu treffen, ist selten eine gute Entscheidung

Oft neigen wir dazu, bei schwierigen Entscheidungen ohne Ende mentales Ping-Pong zu spielen. Millionen Gedanken werden durch den Kopf geschubst, um jede Eventualität zu durchdenken, bis wir (fast) nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist. Hier noch einen Sachverhalt abwägen, da noch ein »Und was ist, wenn…?« hinzufügen – und letztendlich doch zu keinem Schluss kommen.

Mit diesem Verhalten wird versucht, die Situation bestmöglichst zu beurteilen, um eine »richtige« Entscheidung treffen zu können. Oftmals hat dieses Gedanken-Ping-Pong jedoch genau das Gegenteil zur Folge, nämlich dass wir in einen lähmungsartigen Zustand geraten, in dem wir gar keine Entscheidung mehr treffen können – und in manchen Fällen stattdessen von Entscheidungen getroffen werden.

Wer keine Entscheidungen trifft, wird von Entscheidungen getroffen.

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Keine Entscheidung zu treffen, ist nämlich leider auch eine Entscheidung. Abwarten und Tee trinken kann in manchen Fällen ok sein, in anderen Fällen aber auch fatal. Diese Vorgehensweise birgt nun mal das Risiko, dass sich Möglichkeiten in Luft auflösen oder jemand anderes für uns Entscheidungen trifft, die uns am Ende vielleicht nicht unbedingt gefallen.

Was ist, wenn es sowas wie eine »richtige« Entscheidung gar nicht gibt?

Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass du kopflos losrennen und handeln sollst, ohne nachzudenken. Natürlich ist es sinnvoll, Eventualitäten, Konsequenzen, Chancen und Risiken abzuwägen. Doch sobald dieses Abwägen in einem sich ewig drehenden Gedankenkarussel mit kompletter Handlungsunfähigkeit resultiert, hilft leider nur noch eins: Handeln.

Es ist ohnehin nur selten möglich, im Vorfeld beurteilen zu können, ob eine Entscheidung richtig ist oder nicht – ganz egal, wie lange und intensiv du Chancen und Risiken zerdenkst.

Erst indem du ins Handeln kommst, dich in gefürchtete Gewässer wagst, etwas ausprobierst und in dich reinfühlst, kommst du an den Punkt, eine Entscheidung bewerten zu können. Ich bringe hier erneut das wundervolle Zitat von Dieter Lange an:

Da das Leben nur rückblickend verstanden werden kann, aber nach vorne blickend gelebt werden muss, können wir keine richtigen oder falschen Entscheidungen treffen – immer nur Entscheidungen.
aus dem Buch “Sieger erkennt man am Start - Verlierer auch” von Dieter Lange

Einfach mal machen, könnte ja gut werden

Doch selbst wenn du eine Entscheidung im Nachhinein als eher negativ bewertest, bleiben die Fragen offen:

  • Wäre eine andere Entscheidung wirklich besser gewesen?
  • Welchen Lerneffekt hast du daraus gezogen?
  • Wie wertvoll ist dieser Lerneffekt potentiell für deine Zukunft?

Wird der Lerneffekt berücksichtigt, können selbst ganz schön doofe Entscheidungen im Nachhinein als ziemlich wertvoll bewertet werden.

Und bitte vergiss bei der rückblickenden Bewertung auch nicht, die Prime Directive auf dich selbst anzuwenden.


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Frau Lyoner