Vor knapp zwei Wochen habe ich in einem Blog Post darüber geschrieben, was es mit dem sogenannten Growth Mindset auf sich hat und wie dieses potentiell bei Entscheidungen helfen kann.

Wie schaffe ich den Shift vom Fixed Mindset zum Growth Mindset?

Nach eben jenem Blog Post bekam ich von einem Leser die sehr gute und berechtigte Frage gestellt:

»Wie komme ich denn zu einem Growth Mindset, wenn ich bisher eher im Fixed Mindset unterwegs bin?«

Growth Mindset vs. Fixed Mindset

Zur Erinnerung hier vereinfacht dargestellt das von Carol Dweck geprägte Konzept der beiden Mindsets:

Wer ein Growth Mindset hat…

  • glaubt daran, seine Fähigkeiten durch stetige Übung ausbauen zu können.
  • stellt sich gern neuen Herausforderungen.
  • sieht Fehler als Lernchance.

Wer ein Fixed Mindset hat…

  • glaubt an angeborene Talente und Begabungen.
  • meidet neue Herausforderungen.
  • sieht Fehler als Bedrohung und versucht daher, sie zu vermeiden.

Ob man gerade eher auf Basis eines Growth oder Fixed Mindsets denkt und handelt, kann sehr abhängig von Situation und Kontext sein.

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. Seneca

Gefällt dir dieses Handlettering?
Mehr davon findest du auf meinem Instagram Account.

Sprachmuster und Selbsterleben

Unsere Sprachmuster tragen meiner Wahrnehmung nach einen enormen Teil dazu bei, wie wir uns selbst erleben. Mit Sprachmuster meine ich dabei nicht nur die gesprochene Sprache, sondern auch die Art und Weise, wie wir den inneren Dialog mit uns selbst führen – insbesondere dann, wenn wir einen Misserfolg zu verzeichnen haben. Ich denke dabei an Aussagen wie:

  • »Ich kann das nicht.«
  • »Ich hab’s verkackt.«
  • »Ich bin so unfähig.«
  • »Das schaffe ich nie.«
  • »Das ist echt nicht meine Stärke.«

Das alles sind Sätze, die allen von uns gewissermaßen vertraut sein werden. Je stärker meine Sprach- und Gedankenwelt jedoch von solchen Sätzen dominiert ist, desto eher befinde ich mich einem Zustand des Fixed Mindsets.

Sprachmuster und Bewusstheit

Das führt mich zurück zur ursprünglichen Frage:

»Wie komme ich denn zu einem Growth Mindset, wenn ich bisher eher im Fixed Mindset unterwegs bin?«

Ehrlich gesagt betrachte ich die Frage bereits als Teil der Antwort. Denn sich diese Frage überhaupt zu stellen, ist meiner Meinung nach schon der erste Schritt in die gewünschte Richtung. Um eine Veränderung in Gang zu bringen, muss ich mir zuallererst gewahr werden, dass Potenzial zur Veränderung besteht.

Um zu verdeutlichen, was ich damit meine, möchte ich hier ein weiteres Modell zu Rate ziehen, frei nach einem wunderschönen Zitat von George Box:

»Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich.«

Kompetenzstufenentwicklung

Das Modell der Kompetenzstufenentwicklung beschreibt die Entwicklung vom inkompetenten zum kompetenten Individuum anhand folgender vier Stufen:

1) Unbewusste Inkompetenz:

Ich weiß nichts von meiner Inkompetenz und bemerke mein Defizit gar nicht.

2) Bewusste Inkompetenz:

Ich bemerke mein Defizit zwar, weiß aber nicht, wie ich mein Handeln anpassen kann, um Kompetenz zu erreichen.

3) Bewusste Kompetenz:

Ich weiß, mein Handeln anzupassen, um Kompetenz zu erreichen, jedoch erfordert dies hohe Konzentration und Bewusstheit.

4) Unbewusste Kompetenz:

Meine Fähigkeiten sind derart verinnerlicht, dass ich intuitiv kompetent handeln kann.

Sprachmuster und Veränderbarkeit

Und jetzt den Bogen zurück zu den destruktiven Sprachmustern wie bei anfangs erwähnten beispielhaften Sätzen:

  • »Ich kann das nicht.«
  • »Ich hab’s verkackt.«
  • »Ich bin so unfähig.«
  • »Das schaffe ich nie.«
  • »Das ist echt nicht meine Stärke.«

Sprachmuster bemerken

Wenn ich beginne, meine (automatisch ablaufenden) destruktiven Sprachmuster bewusst wahrzunehmen, beschreite ich bereits die zweite Stufe der bewussten Inkompetenz im Modell der Kompetenzstufenentwicklung und damit den ersten Schritt zur potentiellen Veränderung.

Sprachmuster hinterfragen

Nach der bewussten Beobachtung kann ich beginnen, die Herkunft, Gültigkeit und Bedeutung dieser Sprachmuster zu hinterfragen:

  • Woran könnte es liegen, dass ich diese Sprachmuster mit mir herumtrage?
  • Ist es das, was ich früher von meinem Umfeld gehört habe? Muss das heute noch Gültigkeit für mich haben?
  • Ist es das, was ich aktuell von meinem Umfeld höre? Wie kann ich besser damit umgehen?
  • Welches Selbstbild resultiert aus diesen Sprachmustern und möchte ich diesem wirklich Raum in meinem Denken geben?
  • Welche Gegenbeweise (Erfolge) habe ich vorzuweisen, die diesen Sprachmustern widersprechen?

Sprachmuster umdeuten

Sprachmuster müssen nicht statisch sein. Wie wäre es, die vertrauten destruktiven Sätze zu streichen und einen Versuch der Umdeutung in Richtung eines Growth Mindsets zu starten?

  • Ich kann das nicht. → »Ich kann das noch nicht.«
  • Ich hab’s verkackt. → »Ich habe daraus gelernt und mache es nächstes Mal besser.«
  • Ich bin so unfähig. → »Ich habe mein Bestmögliches gegeben.«
  • Das schaffe ich nie. → »Alle haben klein angefangen. Ich brauche nur mehr Übung
  • Das ist echt nicht meine Stärke. → »Ich habe es noch nicht oft genug wiederholt

Als kleine sprachliche Inspiration zum Schluss möchte ich diesen Blog Post mit einem kleinen Zitat abschließen, das Astrid Lindgrens Heldin Pippi Langstrumpf oft in den Mund gelegt wird:

»Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.«

Ich glaube, von Pippi und ihrer Einstellung können wir noch so einiges lernen.

Schön gemachtes YouTube-Video:
Growth Mindset vs. Fixed Mindset

TED-Talk von Carol Dweck:
The power of believing that you can improve

Artikel über Kommunikation mit Kindern:
Growth Mindset: Scheitern ist der wichtigste Schritt zum Erfolg

Artikel bei Zeitzuleben:
Das Growth-Mindset: eine Denkweise, die dir Erfolg und Wachstum bringt

Frau Lyoner


Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn doch in deinen sozialen Netzwerken, hinterlasse mir einen Kommentar oder schreibe mir eine E-Mail.

Auf Affiliate-Links habe ich keinen Bock. Wenn dir meine Artikel gefallen, freue ich mich aber über eine kleine Spende für meine virtuelle Kaffeekasse. Auf diese Weise kannst du meinen Blog ganz bewusst unterstützen statt über versteckte Links.