Nur mal ganz kurz Twitter/Instagram/Facebook checken – und schon wieder eine Stunde vorbei. Liken, posten, sharen, retweeten und vor allem scroll, scroll, scroll…

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Jeder Mensch hat so seinen ganz eigenen Scroll-Sumpf. Für die einen mögen es vielleicht eher News-Seiten oder die Schnäppchenjagd auf Shopping-Websites sein statt Soziale Medien. Mein persönlicher Scroll-Sumpf? Definitiv Instagram.

Das Sucht- und Stresspotenzial Sozialer Medien

Meinen Instagram Account erstellte ich Anfang 2016, als ich mit dem Handlettering begann. Ich genoss den tollen Austausch und die gegenseitige Inspiration der deutschen Handlettering-Community. Hatte ich zuvor eher sporadisch bzw. nur phasenweise gehäuft Posts veröffentlicht, begann ich dann im Frühjahr 2020 Instagram so aktiv wie noch nie zu nutzen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich von Monat zu Monat gestresster fühlte.

Gestresst durch…

  • den inneren Druck, regelmäßig neue Stories und Posts erstellen zu müssen.
  • den reflexartigen Klick auf die Instagram-App in (fast) jeder freien Minute.
  • das unaufmerksame Scrollen und beiläufige Verteilen von Likes.
  • den ständigen Vergleich der eigenen Likes und Followerzahlen mit denen anderer Accounts und den damit verbundenen Selbstzweifeln.
  • die Auseinandersetzung mit dem Instagram-Algorithmus und den damit verbundenen Stress, möglichst aktiv auf Instagram zu sein.

Durch das Dokudrama »Social Dilemma« intensiver zum Nachdenken angeregt, kam mir im November 2020 dann die Idee, mithilfe der Story-Funktion von Instagram eine Umfrage durchzuführen, um herauszufinden, ob andere Nutzer*innen in meiner Kreativ-Bubble vielleicht ähnlich empfanden wie ich.

Ergebnisse meiner Umfrage zur Nutzung von Instagram und den erlebten Auswirkungen

Bei über 21 Millionen Nutzer*innen in Deutschland (Stand 2020) ist diese Umfrage natürlich wenig repräsentativ. Nichtsdestotrotz fand ich die Antworten sehr spannend und möchte diese daher hier teilen.

1. Täglich investierte Zeit auf Instagram

Bei der Frage »Wie viel Zeit verbringst du täglich auf Instagram?« gaben 37 von 86 Personen an, täglich mehr als eine Stunde auf Instagram zu verbringen. Immerhin 10 von 86 Personen schienen ihre tägliche Nutzungsdauer nicht genau einschätzen zu können.

Auf die Frage »Wie häufig am Tag öffnest du Instagram?« antworteten 74 von 95 Personen damit, Instagram mehr als drei Mal pro Tag zu öffnen. Nur 3 von 95 Personen gaben an, Instagram nicht zwingend täglich zu benutzen.

Umfrageergebnis: Wie viel Zeit verbringst du täglich auf Instagram?

Umfrageergebnis: Wie häufig am Tag öffnest du Instagram?

2. Positive Effekte durch die Nutzung von Instagram

Auf die Frage »Welche positiven Effekte erlebst du durch Instagram?« gab es insgesamt 46 Freitext-Antworten. Besonders oft wurde Austausch und Vernetzung (in 28 Fällen) sowie Inspiration (in 27 Fällen) als positiver Effekt benannt. Ebenfalls mehrfach wurde Bestätigung bzw. Feedback (in 5 Fällen) und die Möglichkeit abschalten zu können (in 3 Fällen) erwähnt.

Umfrageergebnis: Welche positiven Effekte erlebst du durch Instagram?

Exemplarische Antworten zu den positiven Effekten von Instagram:

»Vernetzung mit anderen Kreativen, Feedback zum eigenen Prozess, Inspiration«

»Finden und Halten von sozialen Kontakten, Inspiration für eigene Fotoprojekte«

»Inspiration, nette Kontakte und gegenseitige Unterstützung«

»Inspiration für kreative Projekte, lehrreiche Fakten, einfach ein bisschen abschalten«

»Positive Vibes von der Community, Austausch mit Gleichgesinnten, Freunde gefunden auch fürs echte Leben, auf verschiedenen Ebenen weitergebildet«

3. Negative Effekte durch die Nutzung von Instagram

Auf die Frage »Welche negativen Effekte erlebst du durch Instagram?« gab es ebenfalls insgesamt 46 Freitext-Antworten. In 20 Fällen wurde der hohe Zeitinvest bzw. Zeitverlust als negativer Effekt benannt – ganze 7 Mal fiel der bildhafte Begriff Zeitfresser. In 14 Fällen wurde der Vergleich mit Anderen und die damit verbundenen Selbstzweifel erwähnt, in 8 Antworten fand sich der Begriff Druck und nur in 2 Fällen wurde bekundet, keine negativen Effekte durch die Nutzung von Instagram zu erleben.

Umfrageergebnis: Welche negativen Effekte erlebst du durch Instagram?

Exemplarische Antworten zu den negativen Effekten von Instagram:

»Eigentlich geht wertvolle Lebenszeit damit verloren sich andere Leben anzuschauen«

»Ich versacke oft und komme dann nicht mit dem Zeug hinterher was ich eigentlich machen wollte…«

»Es frisst soooo viel Zeit«

»Sucht!?«

»Druck zu posten, starker Zwang auf dem laufenden zu bleiben«

»Ich neige zu Vergleichen, bei denen ich immer selbst schlecht abschneide«

»Druck durch überschönte Bilder/Darstellungen, zu viel Masse an Infos, der Klick auf den Insta-Button läuft viel zu automatisiert und nicht mehr bewusst«

»Hat nichts mit der Realität zu tun, setzt häufig unter Druck«

»Ich erwische mich dabei so perfekt wie vermeintlich andere zu sein, wenn ich mir dann klar mache, dass dies nur Momentaufnahmen sind – gehts wieder«

»Man muss sich selbst immer wieder sagen, dass nicht alles echt und so leicht ist wie im Foto«

»Vielschichtige Suchtgefahr, Kreativrausch, Inspirationslosigkeit, fehlende Bestätigung… im Grunde das Gegenteil zu jedem Pro«

5. Strategien zur Selbstkontrolle bei der Nutzung von Instagram

Die Frage »Hast du Strategien, um deine Instagram-Nutzung zu kontrollieren?« ergab 34 Freitext-Antworten. In 14 Fällen wurde angegeben, (bisher) keine spezielle Strategie zur Kontrolle des eigenen Instagram-Nutzungsverhaltens anzuwenden. In 8 Fällen wurde der Einsatz eines Zeitlimits bzw. Timers zur Selbstkontrolle genannt. Bei 7 Antworten wurde das bewusste Beiseitelegen des Handys als hilfreich beschrieben.

Umfrageergebnis: Hast du Strategien, um deine Instagram-Nutzung zu kontrollieren?

Exemplarische Antworten zur Selbstkontrolle bei der Nutzung von Instagram:

»Nö. Ich finde 1 Std am Tag ok, gerade weil es auch mein Hobby umfasst und Kontakt zu Freunden ermöglicht.«

»Nein, keine besondere. Es reichte, es erstmal zu übertreiben. So wie wenn man sich an etwas überfressen hat.«

»Manchmal versuche ich es, aber ich verfalle da immer wieder rein.«

»Öffne die App nur wenn wirklich Zeit dafür da ist, ansonsten bin ich halt einfach mal zeitweise offline.«

»Push-Benachrichtigung ausgestellt – Handy bewusst beiseite legen«

»Das Handy in nen anderen Raum legen, aus den Augen aus dem Sinn. Nur abends nutzen.«

»Ich versuch es mit dem Voreinstellen einer bestimmten Zeit pro Tag.«

»Habe ein tägliches Limit programmiert als Reminder wie lange ich online bin.«

»Sperrung der App nach 30min«

6 Tipps für eine achtsamere Social-Media-Nutzung

Im Folgenden beschreibe ich sechs Schritte, die ich selbst im Verlauf des letzten Jahres Schritt für Schritt umgesetzt habe, um wieder mehr Kontrolle über meine Social-Media-Nutzung zu bekommen.

1. Push-Benachrichtigungen deaktivieren

Definitiv der einfachste Tipp für ein achtsameres Social-Media-Nutzungsverhalten. Statt dich mehrfach am Tag von Push-Benachrichtigungen aufgrund neuer Likes, Kommentare oder Nachrichten ablenken und verleiten zu lassen, entscheide lieber aktiv, wann du einen Blick in deine Social-Media-Apps werfen möchtest.

2. Klarheit über das Nutzungsverhalten gewinnen

Oft ist es gar nicht so einfach einzuschätzen, wie viel Zeit du tatsächlich in den Sozialen Medien verbringst. Um Klarheit darüber zu gewinnen, können Tools helfen, die Statistiken über dein Smartphone-Nutzungsverhalten erstellen. Ich habe dafür beispielsweise die App QualityTime genutzt. Es kann ein echter Augenöffner sein, schwarz auf weiß zu sehen, wie oft am Tag du deine Social-Media-Apps aufrufst und wie viel Zeit du in Summe täglich investierst.

3. Zeitlimit festlegen

Wenn du das Gefühl hast, zu viel Zeit in den Sozialen Medien zu verbringen, kann es sinnvoll sein, dir ein tägliches Zeitlimit zu setzen. Beispielsweise hat die Instagram-App selbst eine Benachrichtigungsfunktion, die dir mitteilt, sobald du dein konfiguriertes Zeitlimit erreicht hast. Es gibt sogar Apps – QualityTime hat diese Funktion zum Beispiel auch – die nach Ablauf des konfigurierten Zeitlimits die Nutzung deiner Social-Media-Apps blockiert.

4. Zeiträume festlegen

Falls du weniger die tägliche Gesamtnutzungsdauer als problematisch empfindest, sondern vielmehr, dass du mehrfach täglich reflexartig deine Social-Media-Apps öffnest, kann es sinnvoll sein, dir feste Zeiteinheiten zu setzen, zum Beispiel kein Social Media vor 20 Uhr. Sollte es dir (wie mir) schwerfallen, dich an deine selbstauferlegten Regeln zu halten, gibt es auch hier die Möglichkeit zur Tool-Unterstützung. Ich selbst habe dafür zum Beispiel eine Zeit lang die App Block Apps genutzt, um mir feste Zeiträume pro Wochentag zu konfigurieren, an denen ich meine Social-Media-Apps (nicht) aufrufen darf.

5. Spezifische Social-Media-Geräte nutzen

Nach unterschiedlichen Experimenten mit selbstauferlegten Regeln und Tool-Unterstützung, habe ich für mich persönlich festgestellt, dass nichts so effektiv hilft wie der Einsatz spezifischer Social-Media-Geräte. Wenn du also die Möglichkeit hast, nutze spezifische Geräte für alles, was mit Social Media zu tun hat. Das kann ein altes Smartphone sein, ein Tablet oder dein Laptop. Die Hauptsache ist, du schaffst dir eine größere Hürde: »Aus den Augen, aus dem Sinn« statt »Endlos-Scrolling nur einen Klick entfernt«.

6. Bewusst eine Auszeit nehmen

Solltest du vermehrt Stress und Verlust der Selbstkontrolle in Bezug auf Social Media verspüren, kann eine längere Auszeit helfen. Nimm einige Wochen bewusst Abstand und nutze diesen Abstand, um dein Social-Media-Nutzungsverhalten kritisch zu hinterfragen:

  • Wozu nutze ich Social Media? Was ist mein Ziel und meine Motivation?
  • Ist mir Social Media tatsächlich so wichtig oder könnte ich die investierte Zeit besser nutzen?
  • Wozu produziere ich meinen Content? Steht die investierte Zeit in einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis?
  • Mit welchen Menschen interagiere ich? Gibt es Accounts, denen ich folge, deren Inhalte mir vielleicht nicht so gut tun?

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Dokudrama »Das Dilemma mit den sozialen Medien«

Podcast-Folge von Jasmin Mittag zum Thema Digitale Achtsamkeit

Tipps zur digitalen Entgiftung von Daniela Otto

Inspiration für ein bewusstes digitales Leben von Marcus Schumacher

Wie steht es um dein Social-Media-Nutzungsverhalten?

Welche positiven und negativen Effekte erlebst du durch die Nutzung von Social Media? Hast du bestimmte Strategien oder Tipps, um dein Nutzungsverhalten zu kontrollieren?

Frau Lyoner


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