Bräuchte dein Tag mehr als 24 Stunden? Bist du öfters in Zeitnöten und weißt nicht, wo dir der Kopf steht?

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In diesem Artikel möchte ich 10 Gründe beleuchten, wie das Gefühl zustande kommen kann, keine Zeit (für die dir wichtigen Dinge) zu haben. Dabei versuche ich alle Impulse möglichst kontextfrei zu halten, da all diese Zeitfresser sowohl im beruflichen wie im privaten Kontext lauern können.

»Du sagst, du habest keine Zeit.
Nimmst du sie nicht, du hast sie nie.
Die Zeit ist allezeit bereit.
Nimm du sie nur, so hast du sie.«
Friedrich Wilhelm Weber

Zeitfresser #1: Multitasking – Du machst alles gleichzeitig

Multitasking macht dich nicht schneller. Ganz im Gegenteil. Multitasking sorgt für kognitive Überlastung und lässt dich gehetzt fühlen, weil du unter Druck stehst, alle offenen Baustellen abschließen zu müssen. Doch wenn du zehn Dinge gleichzeitig tust, wird es nun mal (mindestens) zehn Mal länger dauern, bis du eine einzelne Aufgabe abgeschlossen hast.

Setze dir einen festen Fokus und gehe eine Sache nach der anderen an. Langsam und Schritt für Schritt kommst du immer noch schneller zum Ziel, als wenn du unfokussiert im Kreis umherrennst.

»Multitasking heißt, viele Dinge auf einmal zu vermasseln.«
Erwin Koch

Zeitfresser #2: Perfektionismus – Du wirst nie fertig

Du machst und tust und bist doch mit keinem Ergebnis zufrieden. Du feilst immer weiter an etwas, das eigentlich schon längst fertig ist, doch deine perfektionistische Brille erlaubt es dir nicht, die Sache abzuschließen. Und da dank Perfektionismus das Finetuning immer weiter gehen kann, wird die Zeit auch nie ausreichen.

Dabei kann eigentlich für sehr viele Aufgaben und Tätigkeiten das Pareto-Prinzip (80-20-Regel) angewandt werden. Dieses besagt, dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Gesamtaufwandes erreicht werden. Und in vielen Fällen sind sogar 80% des Ergebnisses völlig ausreichend.

»Habe keine Angst vor Perfektion - du wirst sie ohnehin nie erreichen.«
Salvador Dalí

Zeitfresser #3: Prokrastination – Du fängst nicht an

Du erledigst ganz viele Dinge, aber vermeidest die unangenehmen Aufgaben. Dadurch wächst die Liste unangenehmer Todos immer weiter an und in dir das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben, um diese jemals abschließen zu können. Ganz zu schweigen vom inneren Widerstand, der immer größer wird, die lästigen Todos endlich anzugehen. Willkommen im Teufelskreis der Prokrastination.

Versuche möglichst regelmäßig, dir einen kurzen(!) Zeitrahmen zu setzen, um eine unangenehme Aufgabe anzugehen. Am Besten sogar gleich zu Tagesbeginn, damit du es möglichst schnell hinter dir hast. Das Anfangen fällt deutlich leichter mit einem begrenzten Zeitrahmen, zum Beispiel 20 Minuten. Vielleicht bist du nach 20 Minuten so sehr im Flow, dass du noch weitermachen möchtest. Vielleicht aber auch nicht. Doch zumindest hast du das gute Gefühl, überhaupt etwas getan zu haben und ein bisschen vorangekommen zu sein.

»Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer.«
Seneca

Siehe auch: Drei Gründe für deine Prokrastination und wie du sie überwindest

Zeitfresser #4: Hohe Erwartungen – Du setzt dir unrealistische Ziele

Besonders Menschen mit Kindern kennen das Problem. Du hast drei Stunden zur freien Verfügung und bildest dir ein, du könntest in der Zeit das komplette Haus kernsanieren und nebenbei noch ein Heilmittel gegen Krebs erfinden. Klingt übertrieben? Ist es natürlich. Doch das Gefühl, nicht genug Zeit zur Verfügung zu haben, kommt oft tatsächlich daher, dass deine Erwartungen einfach viel zu hoch sind.

Du bist kein Hochleistungsroboter. Also plane deine Ziele und Todos bitte auch entsprechend realistisch und vergiss dabei auch nicht Zeit für Pausen und Erholung.

»Wenn du es eilig hast, geh langsam.«
Sprichwort aus Japan

Zeitfresser #5: Fehlende Prioritäten – Du tust ganz viel, aber nicht das richtige

Du bist ständig dauerbeschäftigt und hast doch das Gefühl, deine Zeit reicht nicht aus? Dann könnte ein Grund dafür fehlende oder falsche Priorisierung sein.

Was ist wichtig, was ist dringend? Was ist genau jetzt wichtig, was passt zu einem anderen Zeitpunkt besser?

Vielleicht hilft auch die Frage: Was ist dir persönlich von deinem Wertebild und deiner Vorstellung vom Leben wichtiger? (Bis spät in die Nacht Binge-Watching auf Netflix betreiben oder ein Buch lesen, Staubfänger abstauben oder einen Spaziergang machen, einen Lego-Turm mit dem Kind bauen oder in den sozialen Medien surfen?)

Ganz vieles im Leben ist bloß eine Sache der Prioritäten und wie wir diese setzen.

»Was man nicht zu machen braucht, braucht man nicht auch noch gut zu machen.«
Aus dem Buch »Der Minuten Manager und der Klammer-Affe«

Zeitfresser #6: Kontrollwahn – Du nimmst keine Hilfe an

Niemand kann das so gut wie du. Wenn du es nicht selbst machst, wird es nicht ordentlich gemacht. Kein Wunder also, wenn du vor allerlei selbst aufgehalsten Aufgaben das Gefühl hast, keine Zeit (für dich) zu haben.

Lerne loszulassen und Hilfe anzunehmen – oder sogar einzufordern, wenn es sein muss. Das gilt vor allem für (wiederkehrende) Tätigkeiten, bei denen es doch im Grunde genommen ziemlich schnuppe ist, ob diese zu 100% oder nur zu 80% auf deiner Perfektionsskala erledigt werden.

»Die Kontrolle der Kontrolle ist das Maß der Freiheit.«
Andrea Mira Meneghin

Zeitfresser #7: Fremd- vor Eigenbedürfnissen – Du kannst nicht Nein sagen

Fällt es dir schwer, Nein zu sagen? Lässt du dir öfters etwas aufschwatzen, das eigentlich gerade so gar nicht mit deinen eigenen Bedürfnisse und Plänen harmoniert?

Hilfsbereitschaft und ein harmonisches Miteinander sind sehr wichtig, doch wenn du ständig nur auf andere achtest und das Gefühl in dir aufkommt, keine Zeit für dich und deine Bedürfnisse zu haben, dann ist etwas in Schieflage.

Kommuniziere deine Bedürfnisse offen und erlaube es dir, Nein zu sagen – und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen. Selbstfürsorge hat nichts mit Egoismus zu tun und sollte nicht als Luxusgut, sondern als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.

»Wer sich nicht gut um sich selbst kümmert, kann sich irgendwann um niemanden mehr kümmern.«
Nora Imlau

Siehe auch: Warum Selbstfürsorge nicht egoistisch ist

Zeitfresser #8: Medien – Du scrollst bis zur Unendlichkeit und zurück

Mal eben schnell die Nachricht beantworten, das Wetter für morgen checken, nur ganz kurz einen Blick in die sozialen Medien werfen, scroll, scroll, scroll – und zack ist eine Stunde vorbei. Das gilt jedoch nicht nur für das Smartphone, auch andere (digitale) Medien lassen uns gern einmal die Zeit vergessen, und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Denk nur an das Binge-Watching von Serien, das gern einmal zu schlaflosen Nächten führt. (»Nur noch die eine Folge.«)

Wir brauchen unsere digitalen Helferlein und Geräte zum Zeitvertreib nicht verteufeln, sollten jedoch uns selbst zuliebe auf mehr Achtsamkeit bei der Nutzung achten und bewusst entscheiden, wie viel Zeit wir mit diesen verbringen wollen.

»Lenkst du dein Smartphone oder lässt du dich ablenken?«
aus einem meiner Blog-Artikel

Siehe auch: Digitale Achtsamkeit – Acht Impulse für die Smartphone-Nutzung

Zeitfresser #9: Sorgen – Du investiert Zeit und Energie in etwas, das vielleicht gar nicht eintritt

Manchmal sind Sorgen ziemlich wertvoll, nämlich dann, wenn sie zur Vorsorge dienen und dich zum Handeln bewegen. (Auf eine Prüfung lernen, einen Fahrradhelm anziehen, sich auf ein wichtiges Meeting vorbereiten.)

Leider belasten uns häufig aber auch allerlei Sorgen, die uns nirgends hinführen, weil sie uns blockieren. Nachts vor lauter Grübeln über ein vergangenes Ereignis nicht einschlafen können oder Zeit und Energie in ein Szenario investieren, das womöglich gar nicht eintritt – überlege dir gut, ob es dir das wert ist.

»Die Sorge nimmt dem Morgen nicht seinen Kummer, sondern dem Heute seine Kraft.«
Corrie ten Boom

Siehe auch: Gelassen bleiben – 7 Gedankenanstöße für mehr Gelassenheit

Zeitfresser #10: Symptombekämpfung – Du kämpfst gegen Windmühlen statt das Problem anzugehen

Hat ein Wasserrohr ein Leck, reparierst du vermutlich eher das Rohr, statt stündlich den Eimer mit steigendem Wasserspiegel zu leeren. Leider neigen wir an vielen Stellen dazu, nur Symptome zu bekämpfen, anstatt ein Problem an der Wurzel zu packen und nachhaltig zu lösen.

Erwischt du dich dabei, eine Tätigkeit immer wieder tun zu müssen, die dich vielleicht sogar richtig annervt, investiere Zeit und Energie in Gedanken darüber, ob und wie du nachhaltig etwas daran verändern kannst, anstatt immer nur Zeit und Energie in die Tätigkeit selbst zu investieren. (oder noch schlimmer: in Beschwerden darüber, wie anstrengend diese ist)

»Wenn die Ursache wegfällt, entfällt auch die Wirkung.«
Damasus I.

Von echten und vermeintlichen Zeitfressern

Ein paar abschließende Worte zum Thema Zeitfresser. Die Idee zu diesem Artikel entstand vor ein paar Monaten, nachdem ich das Buch »Momo« von Michael Ende gelesen hatte. Falls du das Buch nicht kennst, der genaue Titel beschreibt schon ein wenig die Handlung: »Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.«

Daher ist mir an dieser Stelle wichtig zu betonen: Es gibt Zeitfresser und es gibt vermeintliche Zeitfresser. Mit Fertiggerichten beispielsweise sparst du zwar Zeit bei der Zubereitung, doch woran sparst du noch? Jede Sekunde deines Lebens zu verplanen mag vielleicht nach Zeitoptimierung aussehen, doch wo bleibt dann achtsame Langsamkeit und Raum für Überraschung?

»Niemand schien zu merken, dass er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit etwas ganz anderes sparte. Keiner wollte wahrhaben, dass sein Leben immer ärmer, immer gleichförmiger und immer kälter wurde. […] Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desto weniger hatten sie.«
Michael Ende in seinem Buch »Momo«

In diesem Sinne wünsche ich dir eine gute Zeit.

Frau Lyoner


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